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Schichtwechsel mit Pferde-Feeling
Foto: Marco Stepniak

Schichtwechsel mit Pferde-Feeling

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: RDN Verlag

Einen unkomplizierten Perspektivwechsel für Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichte der „Schichtwechsel“.

Erstmalig haben sich die Recklinghäuser Werkstätten der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen an der bundesweiten Aktion Schichtwechsel beteiligt: Knapp 30 Menschen mit einer Behinderung arbeiteten einen Tag lang auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zeitgleich wechselten Lokalpolitiker und Angestellte der Städte Marl und Recklinghausen in die Werkstätten. Letzteren sollte der Tag Begegnungen mit den Beschäftigten und Einblicke in die Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen ermöglichen.

Viel Engagement 

Landtagsabgeordnete Lisa Kapteinat absolvierte ihren „Schichtwechsel“ in der Waltroper Werkstatt und lernte, eine Nähmaschine zu bedienen. Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff unterstützte die Metallgruppe der Werkstatt in Dorsten-Wulfen bei der Montage von Drahtrollen und musste schnell feststellen, dass er als Bürgermeister keinerlei Sonderbehandlung genießt: Eine von ihm montierte Drahtrolle fiel durch die interne Qualitätskontrolle eines Werkstatt-Beschäftigten.

Landrat Bodo Klimpel lernte in der Dattelner Werkstatt Förderturm II, einer Einrichtung für Menschen mit vorwiegend psychischen Erkrankungen, die Kunst des Textildrucks. Nicht nur das selbstbedruckte T-Shirt, das er als Belohnung mit zurück ins Kreishaus nehmen durfte, wird ihm in Erinnerung bleiben, sondern auch der intensive Austausch mit den Beschäftigten.

Der Ball muss im Rollen bleiben

Während seines Einsatzes in Datteln vertrat ihn Günter Moryson aus der Recklinghäuser Werkstatt im Kreishaus. Dort durfte er als „Interims-Landrat“ das Kreishaus kennenlernen, am Rednerpult stehen und viele neue Eindrücke sammeln. Andere Werkstatt-Beschäftigte hospitierten auf dem Pferdehof, sorgten im Supermarkt für Ordnung, oder unterstützen in der Gastronomie und Verwaltung.

Projektleiterin Nicole Reese von den Recklinghäuser Werkstätten hofft, dass künftig noch mehr Unternehmen inklusive Arbeitsplätze anbieten, und mehr Menschen mit Behinderung sich trauen, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gehen, denn: „Scheitern gibt es hier nicht – wir können alle nur wertvolle Erfahrungen sammeln.“

Eine der vielen tollen Geschichten, die an diesem Tag geschrieben wurden: 

Katja strahlt über das ganz Gesicht. Sie striegelt den Wallach „Eros“, spricht mit ihm und streicht dem Pferd über das glänzende Fell. Die 36-Jährige liebt Pferde über alles. Beim „Schichtwechsel“ der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen hatte Katja das erste Mal die Gelegenheit, mit Pferden zu arbeiten. Normalerweise arbeitet die junge Frau in den Recklinghäuser Werkstätten der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen. Beim sogenannten „Schichtwechsel“ hatten Katja und Rainer von den Recklinghäuser Werkstätten die Gelegenheit, einen Tag lang ihren Job zu tauschen – und konnten so in den Alltag des Kutschen- und Einstallungsbetriebs J. Smits in Herten reinschnuppern.

Arbeitsmarkt erproben

Einen unkomplizierten Perspektivwechsel für Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichte der „Schichtwechsel“ im September. Die Recklinghäuser Werkstätten mit ihren elf Standorten im Kreis haben an diesem nationalen Aktionstag erstmalig teilgenommen. Dabei konnten rund 35 Werkstattbeschäftigte für einen Tag eine Arbeit auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt erproben.  Umgekehrt waren Menschen außerhalb der Werkstätten eingeladen, einmal in der Werkstatt mitzuarbeiten. Jeanette Dietrich von der Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen spricht von einer Win-win-Situation für beide Seiten. „Oft wird unterschätzt, was die Beschäftigten unter anderem in Druckerei, Schreinerei, Wäscherei, Metallverarbeitung, Elektro-Montage oder Garten- und Landschaftsbau leisten.“

Und für Menschen mit Behinderung stellte der „Schichtwechsel“ eine niedrigschwellige Möglichkeit dar, eine Arbeit außerhalb der Werkstatt unverbindlich auszuprobieren. So wie für Katja und Rainer beim Kutschen- und Einstallungsbetriebs J. Smits in Herten. „Ich habe das erste Mal ein Pferd geputzt. Ich liebe Pferde und wollte schon immer etwas mit Pferden machen. Das fühlt sich für mich richtig an“, sagt die 36-Jährige Katja. Für Jörg und Jutta Smits war der „Schichtwechsel“ ebenfalls eine Bereicherung. „Mit diesem Projekt kann man so viel für beide Seiten erreichen“.

 „Im Idealfall hat es den Teilnehmenden so gut gefallen, dass sie im Anschluss einen Praktikumsplatz oder einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstätten anstreben”, ergänzt Nicole Reese, zuständig für die berufliche Integration bei den Recklinghäuser Werkstätten. Denn das sei schließlich das Ziel. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist angedacht, müsse aber auch nicht auf den Aktionstag beschränkt bleiben.

Das ist der Schichtwechsel

Der Schichtwechsel ist eine Initiative der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen. Seit einigen Jahren wird an einem Tag im Jahr ein Perspektivwechsel vollzogen: Menschen mit und ohne Behinderungen tauschen für einen Tag ihren Arbeitsplatz. In diesem Jahr waren auch die Recklinghäuser Werkstätten dabei. 

Info
Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen

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