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Zukunft mit Gesicht
Foto: Marco Stepniak

Zukunft mit Gesicht

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Karoline Jankowski

Vom KI-Hauself im Serverraum über Azubis, die eine ganze Filiale schmeißen, bis zur digitalen Arztpraxis: Hier geht es um Betriebe, die Zukunft nicht als Science-Fiction, sondern als Alltag denken. Die Haltungen sind unterschiedlich, der Grundtenor unisono: KI ist kein Heilsversprechen, sondern Werkzeug – nur dann gut, wenn der Mensch Chef bleibt.

KI als Hauself

Für Carsten Bieker ist KI weder Wunderwaffe noch Jobkiller, sondern ein Teammitglied mit klarer Jobbeschreibung. „Die Grundlagen der KI sind 50, 60 Jahre alt – eigentlich können wir sie in Rente schicken“, sagt der Gründer zweier IT-Start-ups aus Recklinghausen. In seinem Alltag nimmt KI den Entwicklerinnen und Entwicklern Routinen ab: Code variieren, Dokumente durchsuchen, Wissen im Unternehmen auffindbar machen. „Das System versteht mich nicht, es rechnet Wahrscheinlichkeiten – prüfen muss immer noch der Mensch.“ Entscheidend sind für ihn Datenhygiene, klare Regeln und eine Kultur, in der Mitarbeitende ihre Assistenten testen dürfen – vom KI-Onboarding bis zur automatischen Terminvergabe. In ein, zwei Jahren hält er es für „unvorstellbar, dass es im Büroalltag keine KI-Assistenten gibt“. Sein Ziel: „Wir müssen die Leute befähigen, Boss ihrer KI-Agenten zu werden – dann schützt Technologie eher vor Burnout, als dass sie Jobs frisst.“ zubit.de
refineit.de

Foto: Felix Kleymann

Mehr Zeit fürs Wesentliche

Medizin muss mit der Zeit gehen“ – ein Satz, der den Alltag in der Hertener Citypraxis Hahne gut beschreibt. Videosprechstunden, digitale Formulare und ein virtuelles Wartezimmer gehören ebenso zum Ablauf wie das persönliche Gespräch im Behandlungsraum von Dr. Christiane Hahne. Gemeinsam mit ihrer Tochter Finja Hahne, die als Ärztin in Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Praxis mitarbeitet, entsteht ein Zusammenspiel aus Erfahrung und neuer Perspektive. Das Feedback der Patientinnen und Patienten sei dabei durchweg positiv. Entgegen vieler Vorurteile kämen gerade auch ältere Menschen gut mit den digitalen Angeboten zurecht. Die digitalen Strukturen sorgen vor allem für eines: Entlastung im Hintergrund und mehr Raum für das, was Patienten oft am wichtigsten ist: Zeit, Aufmerksamkeit und eine ruhige, zugewandte Behandlung. cph.nrw

Einmal Chef to go

In Recklinghausen am Süder Tor gab’s letztes Jahr so einen Moment, in dem man dachte: Okay, hier passiert gerade Zukunft. Lidl hat die Filiale eine Woche lang komplett in Azubi-Hand gegeben: Die Nachwuchskräfte haben den Laden geführt – so richtig. Schichtpläne schreiben, Ware bestellen, Frische prüfen, Kassen abschließen. Kein „Reinschnuppern“, sondern einmal echtes Arbeitsleben. „Wir stellen uns flexibel auf die Veränderungen ein“, heißt es von Lidl. Dahinter steckt eine simple Wahrheit: Junge Leute wollen kein Abnicken, sondern Vertrauen. Nachwuchs sucht man dort, wo er ist – auf TikTok, nicht Stepstone. Und das Entscheidende passiert danach: Wenn man ihm zutraut, eine Filiale zu steuern, entsteht Arbeit auf Augenhöhe. Und da beginnt die Zukunft: Verantwortung lernt man nicht im Schonwaschgang, sondern indem man einfach geschmeidig den Laden schmeißt. jobs.lidl.de

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